Angedacht von Supn. Dr. Goldhahn-Müller

Nachricht 06. März 2020

'Willst du gesund werden?'

Von Superintendentin Dr. Ingrid Goldhahn-Müller, Stolzenau-Loccum

Im Johannesevangelium im 5. Kapitel richtet Jesus diese Frage an den Gelähmten am Teich Betesda. 38 Jahre lang liegt der Mann schon da in dieser antiken Kuranlage. Er wartet, dass das Wasser sich bewegt und auch er Heilung erfahren könnte. Aber er hat keinen Menschen, der ihn zur rechten Zeit ins Wasser trägt. Immer sind die anderen schneller, und er, der Gelähmte kommt nie zum Zuge.  Und dann stellt Jesus ihm diese Frage: 'Willst du gesund werden?'  Eine Frage, die auch beim diesjährigen Weltgebetstag in der Liturgie der Frauen Simbabwes obenauf liegt.   Was für eine merkwürdige Frage, nicht wahr?   Klar will der Gelähmte wieder laufen können, sonst säße er ja nicht wartend und harrend am Wasserbecken.   Aber Jesu Frage geht tiefer und sie trifft mitten ins Herz.  'Willst du  wirklich gesund werden und weißt du eigentlich, was das bedeutet?', schwingt darin mit. Gesund werden ist eine ganz massive Veränderung. Du trittst damit aus einem Schonraum heraus, in dem du dich vielleicht sicher eingerichtet hast - 38 Jahre lang.  Du wirst in Anspruch genommen, eingespannt, zur Verantwortung gezogen, musst alte Gewohnheiten aufgeben.  Dein Leben wird völlig anders sein. Ist dir das klar und willst du das wirklich?'  Willst du überhaupt gesund werden?: Das ist die Frage vieler heutiger Therapeuten. Bist du bereit, dich einer grundlegenden Veränderung zu stellen: vielleicht in deiner Rolle in der Familie, in deinen Essgewohnheiten, in deinem Kauf- und Freizeitverhalten? Weißt du eigentlich, dass Gesundung nicht leicht zu haben ist? Sie hat immer auch mit Mut und Verzicht und ganz viel Durchhaltevermögen zu tun. Und man braucht täglich neue Kraft, um Müdigkeit, Resignation und eingefahrene Gleise zu überwinden.    

Die Frauen Simbabwes haben sich diesen Text aus Johannes 5 für den Weltgebetstag am kommenden Freitag ausgesucht, weil sie sich und ihre Gesellschaft in dem Gelähmten am Teich Betesda wieder entdecken.  Seit bald 20 Jahren liegt die Wirtschaft in ihrem Land im südlichen Afrika am Boden. Nahrungsmittel verteuern sich, Devisen fehlen, die Inflation steigt ins Unermessliche und junge Leute verlassen das Land. Bis 2017 herrschte das autoritäre Herrschaftssystem Mugabes. Jetzt könnte theoretisch Freiheit Raum gewinnen, doch noch immer dominieren Korruption und vielfältige Diskriminierungen.

Offiziell garantiert die Verfassung die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Gerade aber in ländlichen Bereichen verändern sich die alten Familienstrukturen mit Polygamie und Zwangsverheiratung nur langsam.  Viele haben sich eingerichtet mit dem Leben, wie es ist und haben den Traum von einer gerechteren Zukunft aufgegeben.

Es wird Zeit, wirklich gesund werden zu wollen, sagen die Frauen Simbabwes. Auch wenn die neue Zeit Unsicherheiten, Ängste und Veränderungsprozesse mit sich bringt.  Sie hoffen auf Gott, dass er ihnen Kraft und Mut ins Herz legt. Und uns bitten sie, dass wir für sie beten mögen, damit die nötigen Schritten in eine neue Zeit gelingen.

Ihre

Dr. Ingrid Goldhahn-Müller, Supn.

 

 

 

 

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