Angedacht von Pastor Dr. Meyer-Najda

Nachricht 03. Mai 2020

»Bleib in den Stiefeln, Mensch! So lange als möglich.«

Von Pastor Dr. Burkhard Meyer-Najda, Uchte

In meiner Heimatstadt Holzminden steht der Wilhelm-Raabe-Brunnen. Als Kind bin ich oft an ihm der Hand meiner Oma Richtung Wochenmarkt vorbeigegangen. Auf einer großen Sandsteinsäule über der Brunnenschale sitzt eine Figur. Es ist Klaus Eckenbrecher. Selbstbewusst, mit Filzhut und Stiefeln, wie sie vor vierhundert Jahren getragen wurden, schaut er von oben auf das geschäftige Treiben der Holzmindener Bürger herab. Er spielt die Hauptfigur im Roman »Der heilige Born« des Schriftstellers Wilhelm Raabe (gestorben 1910). Der junge Mann, dessen Abbild den Brunnen ziert, lebte den Satz Raabes:  »Bleib in den Stiefeln, Mensch! So lange als möglich.« In den Brunnen sind diese Zeilen als Lebensmotto eingemeißelt. Nicht den Mut zu verlieren, trotz aller Widrigkeiten im Leben, das ist die Botschaft. Und Widrigkeiten kannte Eckenbrecher in seinem Leben wirklich reichlich! So manches Mal ist er angeeckt. Sein Vater wurde als Verbrecher hingerichtet, er selber schlug sich mehr recht als schlecht als Stadttrompeter durch. Deshalb liegt auf dem Brunnendenkmal auch seine Trompete in seinem Schoß. Dann liebte er unglücklicherweise auch noch die siebzehnjährige Pastorentochter. Deren Vater war natürlich gegen eine Verbindung des Jünglings mit seinem Kinde. Zu allem Unglück kreuzte auch noch von der anderen Weserseite ein weiterer junger Mann auf, der Interesse an dem Mädchen hatte. Als wär`s nicht  schlimm genug, war der auch noch katholisch! Eckenbrecher schloss sich voller Frust an einen recht wilden Haufen im Gefolge eines Adligen an und erlebte manches Abenteuer, am Heiligen Born in Pyrmont. Oft sah es für ihn sehr schlecht aus: Verletzung, Verzweiflung und Schuld verschonen Eckenbrecher nicht. Wie das Ganze ausging? Das müssen Sie schon selber lesen. So viel aber sei verraten: es ging halbwegs gut aus, Eckenbrecher kriegte die schöne Pfarrerstochter!

Mich interessiert aber im Augenblick nur das Lebensmotto Eckenbrechers. Bleib in den Stiefeln! Lass dich nicht unterkriegen! Der alte Brunnen mit seiner Botschaft fiel mir wieder ein, als ich den Bibeltext für den Sonntag Jubilate (»Freut euch!«) gelesen habe. Jesus sagt dort zu seinen Jüngern:  »Ihr werdet traurig sein; doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehrt werden« (Johannesevangelium 16). Das ist auch ein hoffnungsvolles Lebensmotto. Traurig werden die Freunde Jesu sein, sie werden Not leiden, sie werden verzweifelt sein und so manche Träne vergießen.

Jeder von uns kennt das. Das ist ja auch manchmal zum Verzweifeln gerade in den heutigen Tagen.  Glauben hilft. Glaube nicht nur an die eigene Kraft, sondern an Jesus. Der erlöst von Schuld. Der Auferstandene ruft zum ewigen Leben in seinem Reich! Er ist der Eckstein unseres Glaubensgebäudes. Treten wir dann einst in den Festsaal ein, müssen wir die Stiefel ablegen. Dann ist es auch gut so. Dann wird Freude sein. Aber bis dahin: »Bleib in den Stiefeln, Mensch! So lange als möglich.« Wie es am Ende ausgeht, müssen Sie schon selber erleben.

Bleiben Sie möglichst selbstbewusst und fröhlich – und vielleicht haben Sie ja einmal Lust, wenn wir wieder Ausflüge machen dürfen – einmal weseraufwärts nach Holzminden zu reisen. Dann sehen Sie sich auf jeden Fall den Wilhelm-Raabe-Brunnen an.

Ihr

Dr. Burkhard Meyer-Najda, P.

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