Angedacht von Pastor Ingo Krause

Nachricht 10. August 2019

"Das ist mir schnuppe!"

Wer so redet, bringt damit zum Ausdruck, dass ihm eine bestimmte Sache völlig egal ist. Überhaupt nicht schnuppe sollte jedem, der Freude an Himmelsphänomenen hat, an diesem Wochenende ein Blick in den nächtlichen Himmel sein.  Denn bei wolkenfreien Himmel können Sternschnuppen zuhauf entdeckt werden.

Der Volksmund behauptet ja, dass sich mit jeder Sternschnuppe, die man sieht,  ein Wunsch erfüllt, wenn man diesen nicht verrät. Wahrscheinlich stammt diese Vorstellung aus einer Zeit als die Menschen die Sterne für göttliche Lichtfunken ansahen. Die Sternschnuppen hielt man für herunterfallende Lichtdochte, die den Engeln beim Putzen der Himmelskerzen herabfielen. Inzwischen wissen wir, wie die Sternschnuppen entstehen. In diesen Augusttagen kommt die Erde in ihrer Umlaufbahn um die Sonne der ehemaligen Umlaufbahn des  Kometen Swift-Tuttle sehr nahe.  Aus der Staubspur, die der Komet hinterlassen hat, treten winzige Bruchstücke in die Erdatmosphäre ein und verglühen durch die Reibungshitze. Was wir als Sternschnuppe bezeichnen, ist also nichts anderes als verglühender Astralstaub. Dennoch kann der Blick auf eine Sternschnuppe dazu beitragen, dass ein Wunsch in Erfüllung geht. Denn indem wir diesen Wunsch in unserem Inneren formulieren, machen wir ihn uns bewusst.  Und so tragen wir dazu bei, dass wir uns unserer Wünsche und Bedürfnisse stärker bewusst werden und uns für ihre Erfüllung stärker einsetzen.

 

Die Sternenschnuppen werden auch Laurentiustränen genannt. Sie sind nach dem römischen Diakon Laurentius benannt, der am 10. August 258 ums Leben gekommen ist. Er war einer von sieben Diakonen in der römischen Gemeinde und war für Armenpflege und Finanzen zuständig gewesen ist. Der damalige Kaiser Valerian fordert von Laurentius die Herausgabe der  Kirchengüter. Der aber erbat sich drei Tage Bedenkzeit und verteilte in dieser Frist den kirchlichen Besitz unter die Armen und Kranken und präsentierte diese dem erbosten Kaiser als den „wahren Schatz der Kirche“. Der erboste Kaiser ließ Laurentius daraufhin foltern und den Märtyrertod auf einem glühenden Rost erleiden. Der Legende nach soll Laurentius bei dieser Folter Tränen über die Sünden seiner Peiniger geweint haben.

Die Sternschnuppen dieser Nächte können uns an Laurentius und seinen Einsatz für die Schwachen  und Benachteiligten erinnern. Und sie könnten in uns den Wunsch auf kommen zu lassen, uns für eine gerechtere Gesellschaft und eine solidarische Welt einzusetzen. Ich bin mir sicher, so wie Laurentius über die Sünden seiner Peiniger geweint hat, so würde er heute Tränen darüber weinen, dass Menschen darauf angewiesen sind, die Tafeln zu besuchen, die Wohlstandsreste an Bedürftige verteilen. Und er würde die Alleinerziehenden, Geringverdienenden, Kranken, Behinderte, Rentner, Ausländer oder Asylbewerber, deren Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt, als den wahren Schatz der Kirche bezeichnen. Sie waren ihm nicht schnuppe.

Ihr

Ingo Krause, P.

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