Angedacht von Pastor Ingo Krause

Nachricht 06. Februar 2021

Kraftworte

Von Pastor Ingo Krause, Warmsen

Es gibt Kraftausdrücke und es gibt Kraftworte. Kraftausdrücke sind meist derb und zotig, Kraftworte sind Proviant für die Seele. Kraftworte können  durch schwere Zeiten helfen. An Kraftworten können wir uns aufrichten, wenn Sorgen und Leid uns bedrängen und in die Knie zwingen wollen. Jeder hat Kraftworte in seinem Wortschatz. Mal sind es die „Words of wisdom“ die Mutter Mary in dem Beatleslied „Let it be“ ihrem Sohn zuraunt, mal ist es das Sprichwort von dem Licht, das von irgendwoher kommt. Zum Kraftwort kann der Refrain eines liebgewordenen Liedes werden oder auch der Konfirmationsspruch, den man sich selbst ausgesucht hat.

Ein dynamisches Kraftwort setzt der Apostel Paulus über seinen Brief an die Römer. Er schreibt: „Denn ich schäme mich nicht des Evangeliums; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben.“ (Röm1,16)

Schon beim ersten Lesen strömt einem Energie durch die Rückenmuskulatur.  Paulus nutzt sein Schreiben an die Römer dazu, um darzulegen, warum der Glaube an Jesus Christus befreit.  Glaube ist eine Kraft Gottes, die uns durchströmt und aufrichtet. Während Scham  im Boden versinken lässt, richtet die gute Botschaft von Jesus Christus auf. Wir brauchen uns unseres Glaubens und unserer Person nicht zu schämen. Von Adam und Eva erzählt die Bibel, das sie sich aus Scham vor Gott versteckten und mit Feigenblätter bedeckten. Paulus ermutigt uns, so wie wir sind, zu leben. Aufrecht und aufrichtig können wir vor Gott und Menschen treten.

In der Werbung wird häufig die dynamischen Wirkung der Produkte gepriesen. Der Clip vom Schokoriegel, der verbrauchte Energie zurück bringt, folgt dem Clip vom Duschgel, dass einen unwiderstehlich attraktiv macht. Paulus wirbt im Römerbrief ebenfalls. Er wirbt für den Gott, der in seinem Sohn gezeigt hat, wie groß seine Liebe zu uns Menschen ist. 

Dafür hat Paulus hat vieles auf sich genommen. Um diesen Gott in der antiken Welt zu predigen, ist ihm so manches Leid widerfahren. Denn ein Gott am Kreuz hatte keine große Strahlkraft. Das beweist eine Karikatur aus antiker Zeit. Bei Ausgrabungen in Rom haben Archäologen die Reste einer römischen Schule für Offiziersanwärter aus dem 2. Jahrhundert freigelegt. Auf einer der Wände hat jemand ein Bild in den Putz geritzt. Auf dem sieht man einen Gekreuzigten mit Eselskopf, daneben steht anbetend ein Junge. Unter dem Graffito steht geschrieben:  „Alexamenos betet seinen Gott an.“

Anscheinend wurde hier ein Mitschüler von seinen Kameraden für seinen christlichen Glauben verspottet. Wir würden dieses Verhalten heute als Mobbing bezeichnen. Mobbing hat das Ziel, jemanden zu beschämen und zu erniedrigen. Das  kennen wir aus  vielen Berichten über digitales Mobbing, über Internet-Trolle und Hass-Stürme im Netz.

Der Apostel Paulus scheint es vorausgeahnt zu haben, denn er setzt ein Kraftwort über seine Werbebotschaft für den christlichen Glauben. Dies setzt Kräfte frei, mit solchen Krisen umzugehen:

„Lass sie reden, Gott sagt „Ja“ zu Dir. Seine Kraft will in dir wachsen und dich befähigen, frei und fröhlich deine Straße zu ziehen.“

Und so denke ich bei diesem Kraftwort besonders an alle Konfirmand*innen, die in diesem Jahr ihr Bekenntnis öffentlich machen. Ich denke an alle, die in ihrem Beruf diese Kraft des Glaubens weitergeben, sei es am Krankenbett, im Betrieb oder im Dienst an der Waffe. Ich denke an all diejenigen, die in anderen Ländern wegen ihres Glaubens unterdrückt oder sogar verfolgt werden. Und ich wünsche es uns allen, dass diese Kraft Gottes uns besonders während des Corona-Trübsals jeden Tag aufs Neue mit Lebensfreude durchströmt.

Ihr

Ingo Krause, P.

 

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