Angedacht von Superintendentin Dr. Goldhahn-Müller

Nachricht 24. Dezember 2020

Zum ersten Mal im Leben

Von Superintendentin Dr. Ingrid Goldhahn-Müller, Stolzenau

 

Liebe Leserinnen und Leser!

Eine kleine Alltagsgeschichte von Kristina Bilkau aus meinem Adventskalender ‚Der andere Advent‘ ist für mich in diesem Jahr zu einer berührenden Weihnachtsgeschichte geworden, die mich auch ins neue Jahr begleiten soll. Sie handelt von einem 13jährigen Jungen -ich nenne ihn Tim-, der unbedingt ein großes Open-air-festival besuchen möchte. Zum ersten Mal im Leben. Tims Mutter findet die Idee nicht gut, lässt sich aber überreden. Schließlich würde Tim dort auf seine Schulfreunde treffen, und der Vater eines Freundes würde ihn mit dem Auto zurück nach Hause bringen. Niemand müsste sich also Sorgen machen. Das Festival wird ein großartiges Erlebnis. Tim ist begeistert von den Bands. Seine Freunde findet er nicht im Getümmel. Aber das ist nicht schlimm. Tim taucht ganz ein in die mitreißende Musik.  Dann ist das Fest vorbei. Es ist weit nach Mitternacht.  Die zertrampelte Wiese leert sich und sieht aus wie eine gigantische Müllhalde. Plötzlich fühlt Tim sich allein. Völlig verloren. Wird überhaupt noch ein Zug nach Hause fahren, jetzt in der Nacht? Und wie soll er zum Bahnhof kommen? Mehrere Kilometer zu Fuß durch die Dunkelheit? Mit Angstschweiß auf der Stirn treibt Tim im Strom der Leute zu einem der Ausgänge und wird von der Drehtür ausgespuckt. Und nun??

Da plötzlich sieht er sie. Seine Mutter. Sie steht nur ein paar Meter von ihm entfernt und wartet. Tim weiß, dass sie nicht gern Auto fährt. Schon gar nicht nachts. Doch in dieser Nacht war sie losgefahren, als hätte sie alles vorher gewusst. ‚Und – war es schön?‘ fragt sie nur und nimmt Tim still an die Hand. Das war er, der Moment, den Tim nie mehr vergessen würde.

Ich stelle mir vor, so wie Tims Mutter, so handelt Gott an uns. Kommt zu Weihnachten in unsere Welt und auf uns zu, da wo die Dunkelheit am tiefsten und die Verzweiflung am größten ist. Überraschend, unvermutet, besser als wir es uns überhaupt vorstellen können.  Allein aus Gnade. Aus Liebe. Aus der treuen Fürsorge heraus: ‚Ich will, dass es dir gut geht an Leib und Seele. Dass du nicht verloren gehst in Einsamkeit, Angst und Hilflosigkeit.‘ So kam Gott vor mehr als 2000 Jahren als wehrloses Kind in die Armseligkeit dieser Welt. Er kam zu den Hoffnungslosen, die kaum noch auf Änderung und neue Lebensperspektive zu hoffen wagten. Er kam ohne äußere Macht, ohne Forderung nach Gegenleistung, in totaler Selbstlosigkeit. Und so ist er auch heute an diesem Weihnachtsfest und im Alltag uns unverbrüchlich zur Seite, all unsere Sorgen längst wissend. Heiland, Friedefürst, Tröster, Schöpfer, Allmächtiger des Himmels und der Erden sind seine Namen. Ehre und Dank sei ihm im Himmel und auf Erden!

Gesegnete Weihnachtstage und ein erfülltes Jahr 2021 wünscht Ihnen

Ihre

Ingrid Goldhahn-Müller

 

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