Handlungsfeld IV

Kirchliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

  1. Wie wird das Konzept 2017-2022 als Grundlage für die Arbeit im Kirchenkreis genutzt?  

Das Konzept des Planungszeitraumes 2017-2022 wurde in der Arbeit der letzten Jahre regelmäßig einbezogen und als Leitstruktur verstanden.

 

  1. Wer trägt dafür die Verantwortung?

Die Verantwortung für die Überprüfung der konzeptionellen Ziele liegt beim KJD und dem KKJK.

Die Verantwortung für die Umsetzung liegt bei den entsprechenden Akteuren und (Leitungs-) Gremien der jeweiligen Ebene (Ev.Jugend, KG, Region; KK)

  1. Welche Rückmeldungen und Anregungen hat die letzte Kirchenkreisvisitation für dieses Handlungsfeld erbracht?

Da die letzte Visitation 2010 und somit vor meiner Anstellung stattfand, kann ich dazu keine Aussage machen.

  1. Wie wurden externe Stellen beratend in die Erstellung des jetzt vorgelegten Konzeptes einbezogen?

Eine externe Beratung hat es für dieses Handlungsfeld nicht gegeben, jedoch waren an der Erstellung eine Vielzahl von Akteuren beteiligt: Neben P. Sönke v. Stemm für den KiGo und Kirchenkreisjugendwart Marc-André Kölling haben sich die Mitglieder des KKJK´s intensiv damit beschäftigt. Die TeamerInnen in mehreren Gemeinden haben sich dazu Gedanken gemacht und diese über die Delegierten des KKJK einfließen lassen. Die ehemaligen FSJlerInnen des Jugenddienstes und zum Teil noch aktive TeamerInnen im KK sind beteiligt gewesen ebenso wie die Mitarbeitenden des KJD.

 

  1. Rückblick auf die Planung für 2017-2022: Bitte skizzieren Sie die Entwicklung seit Beginn des letzten Planungszeitraums (2017) im Blick auf eingetretene beabsichtigte und unbeabsichtigte Veränderungen. 

5a. Kindergottesdienst im Kirchenkreis Stolzenau-Loccum

Die Kindergottesdienst-Arbeit gehört zu den Handlungsfeldern der einzelnen Kirchengemeinden. Es
gibt zudem im Kirchenkreis Stolzenau-Loccum einen Zusammenschluss der Kirchengemeinden, die
gemeinsam den jährlichen Tag des Kindergottesdienstes an zentralem Ort veranstalten.
Hervorgegangen ist dieses Tages-Treffen für Kinder von 5-12 Jahren aus den ebenfalls einmal im Jahr
stattfindenden KiGo-Wochenenden des Kirchenkreises im CVJM-Heim Landesbergen. Der letzte KiGoTag hat im Sommer 2019 in der Grundschule Stolzenau stattgefunden, für 2022 gibt es erste
Planungen.
In allen Kirchengemeinden wird regelmäßig KiGo gefeiert. Dabei wird zum Teil sehr unterschiedlich
um eine angemessene Konzeption von Kindergottesdienst-Arbeit gerungen. In der Mehrzahl der
Gemeinden haben sich mehrstündige KiGo-Treffen mit gemeinsamen Mahlzeiten etabliert. Es gibt
aber auch weiterhin den KiGo, der parallel zum Sonntagsgottesdienst angeboten wird. Eine große
Chance lag in der FSJ-Stelle (2018-2019), die vom Kirchenkreisjugenddienst aus, die gemeindlichen
Angebote unterstützen und Brücken zwischen unterschiedlichen Modellen schlagen konnte.
Die Arbeitsgemeinschaft der Gemeinde-Teams rund um die KiGo-Tage ist keine feste Gruppe,
sondern findet sich zur Planung der jährlichen Veranstaltung jeweils neu. Langjährige Ehrenamtliche,
wie Anke Schlake und Gudrun Gelshorn, bilden einen inneren Leitungskreis. Hier entstehen die Ideen
für die nächsten KiGo-Tage. Das Leitungsteam motiviert die übrigen KiGo-Teams in den Gemeinden
zur Mitarbeit und koordiniert die Veranstaltung, die in Kooperation mit dem Kirchenkreis-Kantor und
der Grundschule Stolzenau durchgeführt werden.
Für die KiGo-Tage des Kirchenkreis sieht die Arbeitsgemeinschaft der Gemeinde-Teams die
missionarische Chance, Kindern und helfenden Jugendlichen ein möglichst großes und vielfältiges
Angebot zu machen und zugleich ein Eventerlebnis zu bieten, bei dem viel mehr Kinder beteiligt sind,
als in den Gemeinden jemals zusammenkommen können. Kinder in den Dörfern unserer Gemeinden
haben selten Kontakt zu einem Gottesdienst. Entsprechend gering sind die Vorstellungen
davon, was sie in einem KiGo-Angebot der Kirchengemeinden vor Ort erwartet. Ist
Kindergottesdienst auf dem Lande neben den sportlichen und übrigen bildungsorientierten
Angeboten ein Termin unter vielen? Welche Rolle spielt das Bedürfnis nach Gebet und Segen bzw.
das Recht auf Religions-Ausübung schon für Kinder? Die KiGo-Tage des Kirchenkreises Stolzenau-Loccum versuchen eine fröhlich-spirituelle Antwort zu geben, indem die über den Tag verteilten gottesdienstlichen Elemente aus Gesang, Gebet, geteiltem Glauben und Segen im Mittelpunkt stehen und von den kreativen gemeinschaftlichen Angeboten flankiert werden.
Die größten Herausforderungen bestehen dabei selten in der Themenfindung oder der Organisation
der entsprechenden kreativen Angebote zu einem bunten Tages-Programm mit sichtbarem roten
Faden. Komplex ist hingegen, ein Angebot für die Kinder und Jugendlichen zu finden, das terminlich
in die vielfältigen Pläne vor Ort passt und dessen Mehraufwand von den gemeindlichen KiGo-Teams
geleistet werden kann. Nach der Pandemie und für die Planung der nächsten KiGo-Tage muss wieder
daran gearbeitet werden, die KiGo-Tage insbesondere auch für die ehrenamtlichen Mitarbeitenden
in den Gemeinden attraktiv zu halten, damit sie ihre KiGo-Gruppen inklusive Eltern motivieren und
sich in Planung und Durchführung der Tage einbringen.
Aus den KiGo-Tagen sind in den vergangenen Jahren vereinzelte lokale Fortbildungs-Angebote für
KiGo-Mitarbeitende hervorgegangen. Unter Pandemie-Bedingungen ist daraus ein digitaler
Austausch geworden. Und es bleibt spannend, ob auch diese Vernetzung sich wieder neu beleben
lässt. Der Bedarf an religionspädagogischer und an spiritueller Fortbildung wird an vielen Stellen in
den KiGo-Teams deutlich.

5b. Jugendarbeit

Ca. 70 % der gesteckten Ziele konnten erreicht werden. Insbesondere die strukturellen Veränderungen konnten zu einem großen Teil umgesetzt werden. So konnte das gewünschte Fahrzeug angeschafft werden und hat seitdem seine Nützlichkeit unter Beweis gestellt. Die Verankerung der FSJ Stelle im Jugenddienst konnte umgesetzt werden. Das gesetzte Ziel konnte sogar übertroffen werden, da wir nun auch noch regionale FSJ-Stellen haben. Diese sind zwar (noch) nicht fest verankert, haben ihren Wert aber bereits bewiesen.

Von besonderer Bedeutung auch mit Blick in die Zukunft ist die Einrichtung einer neuen unbefristeten Stelle im KJD.

Die Implementierung der spezifisch auf den Gemeindekontext ausgerichteten Ziele konnte nur sehr begrenzt stattfinden. Dies ist zu einem erheblichen Teil auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen.  Auch die entstandenen Vakanzen in vier Pfarrstellen und der Superintendentenstelle innerhalb des Planungszeitraumes waren an dieser Stelle nicht besonders hilfreich. 

 

Für den kommenden Planungszeitraum:

  1. Welche gewichtigen Herausforderungen sehen Sie für das jeweilige Handlungsfeld?

 „Räume

 

 

 

Praktisch

Eigene Orte an entsprechenden Orten (Jugendräume/ Jugendhäuser/ Jugendkirchen). Dieser Ansatz bietet insbesondere in der derzeitigen Entwicklung Potenzial (Aufgabe von Kirchen, Gemeinde- und Pfarrhäusern)

Strukturell

Welchen „Platz“ hat dieser Arbeitsbereich im KK (Partizipation an Leitungsstrukturen, Finanzen, Entwicklungsprozessen, Multiprofessionelle Teams, Entwicklung eigenständiger Formen)

Perspektive

Allzu häufig ist das Ziel von Jugendarbeit, Teamende für anderweitige Angebote zu generieren. Also ehrenamtlich Tätige, welche gesucht werden um ein bestehendes und definiertes Angebot, den Konfi-Unterricht zu begleiten. Wer sich nicht ehrenamtlich engagieren möchte oder kann, findet nur allzu oft keinen Raum in Kirche.

Jugendliche als eigenständige (Ziel-)Gruppe wahrzunehmen, für und mit denen wir individuelle und an ihren Bedürfnissen orientierte Angebote und Formen entwickeln und die dafür benötigten Ressourcen bereitzustellen, wäre ein echter und überfälliger Perspektivwechsel.

Flexibilität

Ein inzwischen recht bekannter Irrtum ist der Gedanke, dass die Gottesdienste nach Agende ein Angebot für alle sei. In Wahrheit erreichen wir damit eine bestimmte Zielgruppe. In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist es nicht anders. Welche Menschen wir erreichen liegt im Wesentlichen an den Akteuren, die tätig sind, denn Jugendarbeit ist Beziehungsarbeit und damit immer abhängig von den Akteuren. Die Anzahl dieser ist rückläufig und wird es zumindest mittelfristig auch bleiben. (Demografische Entwicklung, sinkende Mitgliedszahlen, Rückläufige Zahlen bei Haupt- und Ehrenamtlichen, etc.). Die Gestaltung der Arbeitsfelder muss dieser Erkenntnis Rechnung tragen und auf die individuellen Stärken der jeweiligen Akteure zugeschnitten sein und ihnen den individuellen Raum geben, den sie zur Entfaltung benötigen. Starre Konzeptionen, welche sich auf strukturelle Festlegungen reduzieren, sind kontraproduktiv. (vgl. aktuelle Ordnung der Ev.Jugend).

Post-Corona

Die Corona-Pandemie war ein beispielloser Einschnitt in unserer Lebenswelt und hat vieles nachhaltig verändert. Manches zum Guten (Digitale Infrastruktur) aber auch vieles negativ beeinflusst. So sind die Corona Jahre besonders für die Jugendlichen eine starke Belastung gewesen und haben sie in ihrer Lebenswelt überproportional getroffen. Jugend kann man weder aufschieben noch nachholen. Es ist klar, dass sich dies auch in den nächsten Jahren noch massiv auf unsere Arbeit auswirken wird und es auch schon tut. (Rückgang der Teamenden, minimale kirchliche Erfahrungen, etc.)

Offenheit für Schnittmengen

Nicht jedes Angebot muss „Kirche“ sein, es kann auch Beteiligung an Veranstaltungen oder Projekten ohne „kirchlichen Inhalt“ geben, wenn es konzeptionell zielführend ist.

Eigene „weltliche“ Projekte und Veranstaltungen wie z.B. Konzerte etc. können der Finanzierung der Kernangebote dienen und neue Kontakte ermöglichen. Hier sind mentale Hürden (Was hat das mit Kirche zu tun?) sowie strukturelle Probleme (keine Gewinnerwirtschaft zulässig) zu lösen, ohne dabei das Ziel aus dem Blick zu verlieren.

Mut

Immer wieder ist zu hören, dass die Jugend die Zukunft der Kirche sei. Dann muss dieser Erkenntnis aber auch finanziell und personell Rechnung getragen werden.

Das konsequente Umsetzen der bisherigen Erkenntnisse erfordert Mut, da es erhebliche Veränderungen bedeuten würde und nicht in allen Bereichen ein Erfolg zu erwarten ist, was Kritikern natürlich entsprechende Ansatzmöglichkeiten bietet.

Aber was ist die Alternative? Weiter so? Das kann angesichts der seit 1955 jährlich abnehmenden Anzahl der Kirchenmitglieder doch keine Option sein.  Entweder, wir finden den Mut, anders zu denken und die bestehenden Strukturen zu überwinden oder wir werden unseren eigenen Niedergang verwalten.

Das bedeutet, dass wir mit dem derzeitigen System /Strukturen nicht mehr „gewinnen“ können. Warum also daran festhalten?

Welche Ziele wollen Sie jeweils erreichen? Welche besonderen Veränderungen und Innovationen planen Sie dazu?

  1. Sicherung der bestehenden Angebote

Es ist uns gelungen, innerhalb des vergangenen Planungszeitraumes für jede Altersgruppe innerhalb des Handlungsfeldes ein entsprechendes Angebot zu machen.

Wir wollen diese bestehenden Angebote erhalten, solange sie nachgefragt und gut bewertet werden. Dafür sind viele verschiedene Faktoren notwendig, wir brauchen qualifizierte und motivierte TeamerInnen ebenso wie die finanzielle Absicherungen der Angebote, die kontinuierliche Weiterentwicklung der Maßnahmen, eine kontinuierliche Evaluation, tragfähige Strukturen und anderes mehr. Das Aufrechterhalten dieser Angebote ist kein „Selbstläufer“, sondern bedarf eines hohen Aufwandes.   

  1. Steigerung der Angebote

Da die Nachfrage höher als das Angebot ist, wäre eine Steigerung der Angebote in allen Bereichen wünschenswert. Hier sind vor allem personelle und finanzielle Engstellen ein Problem und bedürfen kreativer und individueller Lösungsansätze.  Auch erreichen wir mit den bisherigen Angeboten wie aufgezeigt nur eine begrenzte Zielgruppe.

Als Problem aufgezeigt wurde bereits, dass es für Jugendliche keine attraktiven Angebote außerhalb der Konfi-Teamer-Arbeit gibt, wenn man von den Freizeiten des Jugenddienstes einmal absieht. Hier besteht somit auch Handlungsbedarf.  Zur Gewinnung neuer Zielgruppen bedarf es anderer Angebote. Diese zu entwickeln und experimentell umzusetzen wäre ein weiteres lohnendes Ziel.

  1. Vernetzung der Teamenden

Die Fläche des Kirchenkreises beträgt ca. 616km² bei 40 bis 112 Einwohnern/km², was der dreifachen Fläche der Stadt Hannover entspricht, diese beträgt 204km² bei 2614 Einwohnern/km².

Die Voraussetzungen hier unterscheiden sich somit erheblich von denen städtischer Regionen.  So ist die Vernetzung der Teamenden eine große Herausforderung, da die Entfernungen zu groß sind, um diese sicher mit dem Fahrrad zurück legen zu können und der ÖPNV außerhalb des Schulkontextes quasi nicht existent ist. Somit sind insbesondere die Jugendlichen immer auf Unterstützung anderer angewiesen, was sich bei einer zunehmenden kirchendistanzierten Elternschaft durchaus als problematisch erweist.

Doch sind die Vernetzung und der Austausch untereinander ein großes Anliegen der Teamenden. Dies ist in den letzten Befragungen nochmal sehr deutlich geworden.

Hier müssen wir im kommenden Planungszeitraum nochmal verstärkt nach Lösungen suchen, um dies zu erreichen. Ein wichtiges Element können hier die drei Regionen sein, in die sich der Kirchenkreis gliedert.

Wir wollen in den nächsten Jahren einen kontinuierlichen Austausch auf regionaler Ebene auf- bzw. ausbauen und durch Teamfahrten für die Teamenden im Kirchenkreis Orte der Begegnung und des Austausches schaffen. Dieses Ziel ist insbesondere dem KKJK ein wichtiges Anliegen. Wünschenswert wäre an dieser Stelle auch die Schaffung von regionalen FSJ-Stellen, um dieses Feld zu stärken.

  1. Jugend als eigenständige Gruppe in der Kirche

Jugendarbeit ist kein Anhängsel der Gemeindearbeit, sondern ein eigenständiges Arbeitsfeld mit erheblichem Wachstumspotential. Diesem müssen auch die erforderlichen Rahmenbedingungen gewährt werden. Insbesondere sei hier die finanzielle und räumliche Teilhabe genannt.

Wenn Kirche Jugendliche und junge Erwachsene als AkteurInnen gewinnen möchte, muss sich dies auch in den Entscheidungsstrukturen widerspiegeln.

Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den anderen Akteuren in der Kirche Lösungen für diese Punkte zu erarbeiten, die in ihrem Umfang der Bedeutung des Arbeitsfeldes gerecht werden.

  1. Wertschätzung

Wir sind sehr dankbar für das außergewöhnliche Engagement unserer ehrenamtlich Tätigen. Ohne dieses Engagement, sei es in Konfi-Arbeit, der Freizeitarbeit, im Jugendkonvent oder an vielen anderen Stellen in der Kirche, wäre vieles nicht möglich. Sie sind die Garanten, die Säulen. Sie sind an vielen Stellen „die Kirche“, auch wenn sie oft nicht im Vordergrund stehen. Und darin liegt auch eine große Gefahr, nämlich dass wir sie und ihr Engagement übersehen oder im Laufe der Jahre betriebsblind werden und es als selbstverständlich halten.

Unser Ziel ist es, Ihnen unsere Wertschätzung entgegenzubringen. Indem wir bewusst danken und nicht nur fordern.