Handlungsfeld VI

Kirche im Dialog

1) Partnerschaft Kirchenkreis Stolzenau-Loccum mit dem Eastern Cape Circuit, South Africa (ECC)

Rückblick und Zustandsbericht:
Bereits seit etwa 43 Jahren besteht zwischen dem Eastern Cape Circuit der „ELCSA“ (Ev. luth. Church of South Africa), Südafrika und unserem Kirchenkreis eine lebendige Partnerschaft, die sich seit ihrer Gründung fortlaufend verändert und entwickelt hat. Entstanden ist sie aus der Solidarität mit den zu der Zeit unter der Apartheid leidenden „schwarzen“ ev.-luth. Kirchengemeinden und -kreisen in Südafrika, während gleichzeitig eine Distanzierung der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers von der „weißen“ Kapkirche erfolgte, die bis dahin noch ein Teil der Landeskirche gewesen war.

Unsere Partnerschaft mit dem Eastern Cape Circuit ist geprägt von persönlichen Begegnungen, interkulturellem und theologischem Austausch, was vor allem durch regelmäßige Besuche und Gegenbesuche ermöglicht wurde. Gemeinsames Feiern von Gottesdiensten, gemeinsames Gebet und Singen, Gastpredigten, Kennenlernen der jeweiligen Kultur sowie von Projekten und anderem, was die beiden Kirchenkreise prägt, charakterisieren diese Besuche. Der Schwerpunkt der Partnerschaft soll dabei, entsprechend der Partnerschaftsvereinbarung der beiden Kirchenkreise, auf dem geistigen und geistlichen Austausch liegen. Dazu gehören auch regelmäßig gefeierte Partnerschaftsgottesdienste im jeweils eigenen Kirchenkreis, das Verbundensein über Partnerschaftskerzen in den Kirchengemeinden in unserem Kirchenkreis und über gemeinsame Taufkarten. Besondere Projekte wie das bereits viermal stattgefundene „Sing mit Afrika“-Projekt, das im Rahmen der Besuche von Delegationen aus Südafrika in Stolzenau-Loccum umgesetzt wurde, ließen die Partnerschaft in besonderer Weise lebendig werden. Im Jahr 2017 konnte ein vertiefter persönlicher Austausch ermöglicht werden, indem eine junge Frau aus dem Eastern Cape für ein Jahr im Rahmen eines Programms des ELM, verbunden mit einem BUFDI-Jahr im Kindergarten Pusteblume in Stolzenau, in unserem Kirchenkreis zu Gast sein konnte. Kontakt gehalten wurde und wird darüber hinaus durch Briefe und später auch durch E-Mails, durch Telefonate und seit einigen Jahren durch die neuen Möglichkeiten digitaler Kommunikation wie Videotelefonate, WhatsApp-(Gruppen-)Chats und Videokonferenzen auf persönlicher und auf formeller Ebene. Auf persönlicher Ebene ist auch Austausch über Facebook hinzugekommen.  Persönliche Kontakte und Freundschaften haben sich entwickelt bis hin zur Verbindung von Familien über Patenschaften.

Die Partnerschaftsarbeit ist in den beiden Kirchenkreisen strukturell unterschiedlich verankert. Während in unserem Kirchenkreis die Versorgung der Kirchengemeinden mit Pastor:innen nicht mehr unproblematisch, aber dennoch im Vergleich der beiden Kirchenkreise gut ist, ist im Eastern Cape Circuit die Versorgung mit hauptamtlichen Pastor:innen als prekär zu beschreiben. Aktuell ist die Stelle des Dean (Superintendent:in) seit einigen Jahren unbesetzt, zwischenzeitlich wurden die Gemeinden ausschließlich mit ehrenamtlichen Pastor:innen versorgt, die hautberuflich anderen Tätigkeiten nachgehen. Aktuell ist ein ehemaliger Dean als einziger hauptamtlicher Pastor im ECC eingesetzt. Es gibt zurzeit einen offiziell benannten Ansprechpartner für die Partnerschaftsarbeit im ECC, tatsächlich nimmt aber Joe Jongolo als langjähriger zuverlässiger Ansprechpartner diese Aufgabe wahr. Seit der Corona-Pandemie ist der Bischof, Bishop Manong, anstelle eines Deans an den Online-Treffen maßgeblich beteiligt. Von unserer Seite gibt es eine strukturelle Verankerung durch die Arbeit des Partnerschaftsausschusses der Kirchenkreissynode, dem zurzeit 8 Mitglieder angehören, durch das Engagement der Superintendentin und des KKV.      

Als Herausforderung für eine gleichberechtigte partnerschaftliche Beziehung haben sich immer wieder die sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen in den beiden Kirchenkreisen herausgestellt. Der Eastern Cape Circuit ist durch eine wirtschaftlich sehr prekäre Lage geprägt. Besuche und Gegenbesuche konnten und können nur durch finanzielle Mittel von deutscher Seite ermöglicht werden. Im Laufe der Jahre wurden vom Kirchenkreis Stolzenau-Loccum einige Projekte im Eastern Cape unterstützt, wie z.B. ein Kindergarten und ein „Container-Haus“, das für HIV/AIDS-Aufklärung genutzt werden sollte. Beide Projekte führten in den Kirchenkreisen auf unterschiedliche Weise zu Frustrationen, da entweder keine oder keine langfristige Umsetzung der damit verbundenen Ziele erreicht werden konnte. 

Die Coronapandemie hat den für 2020 geplanten Besuch einer Delegation aus unserem Kirchenkreis im Eastern Cape Circuit verhindert. Gleichzeitig hat sich durch die Möglichkeit, Videokonferenzen über alle Entfernungen hinweg abhalten zu können, eine neue Form der Begegnung entwickelt. Von deutscher Seite wurde Corona-Hilfe geleistet, indem finanzielle Unterstützung erfolgte, zum einen als Ausgleich für dringend benötigte ausgefallene Kollekten (Fahrtkosten für die ehrenamtlichen Pastor:innen), zum anderen als Unterstützung für Hygienemaßnahmen (Thermometer, Wassertanks und ein Toilettenhäuschen). Von Seiten des ECC ist besonders die Arbeit an einem Gottesdienstbuch mit luth. Liedern und Bibeltexten auf IsiXhosa im Fokus. Die Corona-Pandemie hat im Eastern Cape Circuit bisher mehr Todesopfer gefordert als in unserem Kirchenkreis. Die Impfquote ist sehr gering, Fake News über Corona und Impfungen haben großen Einfluss. Im Jahr 2021 fand nur wenig gegenseitiger Austausch der Partnerkirchenkreise statt, der aber gegen Ende des Jahres wieder aufgenommen wurde. Auf deutscher Seite stellen die regelmäßigen Partnerschaftstagungen im ELM in Hermannburg eine große Ressource dar, die 2020 digital und 2021 wieder in Präsenz stattfinden konnten.

Ziele / Vision:

Eine Vision in Bezug auf die zukünftige Gestaltung der Partnerschaft ist auf Seiten unseres Kirchenkreises die Ausweitung des Austausches im Rahmen der Jugendarbeit. Ein Ausloten der Möglichkeiten und des Interesses war im Rahmen des Besuches im Eastern Cape Circuit im Jahr 2020 geplant und wird weiterhin angestrebt. Interkulturellem Lernen, gelebter Gastfreundschaft, Solidarität und der Verbundenheit in Vielfalt über die gemeinsam gelebte Religion kommen gerade mit Blick auf die Entwicklungen unserer Gesellschaft wie auch der Gesellschaft in Südafrika eine besondere Bedeutung zu und sollen durch die Fortsetzung der Partnerschaft gefördert und ermöglicht werden.

2) Ökumene vor Ort:
Mit der katholischen St. Georgs-Kirche in Stolzenau gibt es ein gutes ökumenisches Miteinander. Die Lange Nacht der Kirchen, der Lebendige Advent, Taizé-Andachten und gemeinsame Bildungsprojekte verbinden die Konfessionen – aber die Ökumene bleibt fast auf Stolzenau begrenzt. In Orten wie Steyerberg oder Uchte sind die katholischen Gemeinden so klein geworden, dass die ev. Gemeinden kein Gegenüber mehr finden. Das macht sich überall im Kirchenkreis an langjährigen gemeinsamen Projekten wie dem WGT bemerkbar.

In den Gemeinden finden aber so weit wie möglich gemeinsame Schulanfangsgottesdienste statt.

Zum „Bethaus“ in Stolzenau, Versammlungsort einer baptistisch geprägten Freikirche mit russlanddeutschen Mitgliedern, gibt es keinen Kontakt. Ganz für sich agieren auch die Nasiräer an ihren Standorten in Stolzenau und Landesbergen, die sich vornehmlich in der Strafentlassenenbetreuung engagieren.

Jesiden leben in Stolzenau und Landesbergen und schotten sich stark ab.  Kontakte sind am ehesten  über die Schule oder die Sportvereine möglich.

In Steyerberg gibt es den „Lebensgarten Steyerberg e.V.“, dessen Mitglieder sich einem harmonischen Miteinander und einer Achtsamkeit gegenüber der Schöpfung verpflichten. Viele Mitglieder bewohnen seit 1983 eine ehemalige Barackensiedlung einer alten Pulverfabrik, die nach ökologischen Kriterien saniert wurde.  Zunehmend beziehen sie in den letzten Jahren aber auch Wohnungen und Gebäude im Gemeindegebiet. Eine neue Entwicklung bahnt sich in der ehemaligen Grundschule Deblinghausen an. Der Trägerverein „Caia eG.“ (eine Gesellschaft des „Lebensgartens“) versucht dort ein Bildungszentrum einzurichten und gemeinsam mit anderen Vereinen und Bewohnern im Bereich der „Nachhaltigkeit und Bewusstseinsveränderung“ zusammenzuarbeiten.

3) Beziehungen und Kooperationen im Sozialraum:

Zu Marja-Liisa Völlers, MdB, gibt es einen guten Kontakt; sie ist bewusst in ihrer Heimatgemeinde im Kirchenkreis verankert. Der Kultusminister Niedersachsens, Grant-Hendrik Tonne, lebt in Leese und gehört dort zur Kirchengemeinde. Die Verbindung in die Politik ist im Kirchenkreis gut; der ehemalige Bürgermeister von Uchte ist jetzt Mitglied im Aufsichtsrat der Diakonie-Sozialstation des Kirchenkreises, der Bürgermeister der Stadt Rehburg-Loccum sitzt im Vorstand des Denkhauses Loccum (Heimvolkshochschule) und bewirbt sich zusammen mit dem Kloster um das Europäische Kulturerbesiegel.

Zum Neujahrsempfang des Kirchenkreises lassen sich Politiker auf Dorf-, Stadt-, Land- und Bundesebene einladen, genauso wie die Vertreter der Vereine und der Landeskirche und die Feuerwehr. Die Superintendentin pflegt durch den Neujahrsempfang, durch Besuche bei Lokalpolitikern und Vereinen während der Visitationen und durch die Wahrnehmung von Einladungen zu politischen oder gesellschaftlichen Veranstaltungen und Festen die Kontakte in den Sozialraum.

Die auf dem Neujahrsempfang vorgestellten Jahresthemen sind in der Vergangenheit bewusst als Verbindungsprojekte in den Sozialraum hinein gestaltet worden. Sie gaben kirchliche Impulse, nahmen aber mehr noch gesellschaftliche Debatten z.B. um die Landwirtschaft und aktuelle Herausforderungen wie den Klimaschutz auf: Hier blüht (uns) was. Die Bemühungen der Kirchen um Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung weiter in die gesellschaftlichen Debatten einzutragen, bleibt angesichts des Kriegs in Europa und angesichts der Klimakatastrophe unaufgebbare Aufgabe.

Zwischen den Vereinen, der Feuerwehr und den Kirchengemeinden gibt es Schnittmengen im Bereich der ehrenamtlich Engagierten: Wer sich im Kirchenvorstand engagiert, ist oft zugleich bei den Landfrauen aktiv oder für die Feuerwehr im Einsatz. Wo diese „Schlüsselfiguren“ fehlen, wird die Verbindung Kirche-Vereine deutlich schwieriger.

Der Kiesabbau ist ein großes Thema an der Weser, da er die Pachten für die Landwirtschaft in die Höhe treibt oder alte Höfe wie die Domäne in Schinna ganz verdrängt. Große Industrie- und Gewerbebetriebe wie Henniges in Rehburg, das Kraftwerk in Landesbergen, die Firma Rohde in Steyerberg, Exxon Mobile in Vogtei oder Welle in Warmsen gibt es als große Arbeitgeber nicht mehr; Arbeitnehmer*innen müssen weit pendeln. Zugleich gibt es einen Trend von der Stadt in die Dörfer: die billigeren Mieten ziehen Menschen mit kleinen Einkommen an. Familien mit Kindern wünschen sich die Vorzüge des Landlebens, ohne sich in die gewachsenen Dorfstrukturen zu integrieren.

Zur regionalen Zeitung „Die Harke“ bestehen gute Verbindungen. So wird wohlwollend über die Projekte des Kirchenkreises und die Arbeit in den Kirchengemeinden berichtet. Auch das Abdrucken regelmäßiger Andachten in der Samstagsausgabe (im Wechsel mit dem KK Nienburg) wird unterstützt.
Durch die personelle Reduktion der „Südkreis-Redaktion“ wird es aber zunehmend schwieriger, Artikel im redaktionellen Teil der Zeitung zu platzieren. Zudem ist zu beobachten, dass die Zahl der Abonnenten weiter sinkt und gerade nach Einstellung der kostenlosen Wochenzeitung „Blickpunkt“ im Jahr 2021 die Öffentlichkeitsarbeit in Printmedien schwieriger geworden ist.

4. Förderkreise, Fördervereine, Stiftungen:

Zur Musikstiftung und zur Diakoniestiftung des Kirchenkreises s. Handlungsfelder II und V.

Die Leeser Kirchenstiftung soll dazu dienen, die Rahmenbedingungen für die Arbeit der Kirchengemeinde Leese auf Dauer in ihrem Bestand zu sichern und zu verbessern. Dieses Ziel verfolgt auch die Katharinen-Stiftung der Kirchengemeinde in Steyerberg.

Der Förderkreis in Wiedensahl hat viele Jahre eine Viertel-Pfarrstelle finanziert und zuletzt über etliche Jahre den Gastdienst eines Ruheständlers und die Stunden der Pfarramtssekretärin. Eine Mitgliederversammlung wird in diesem Jahr über die Zukunft des Förderkreises entscheiden.

Der Förderkreis der Kirchengemeinde Loccum sorgt mit dafür, dass die Gemeinde trotz einer zugewiesenen Dreiviertel-Pfarrstelle eine volle Pfarrstelle finanzieren kann. Eine Aktivierung und Erweiterung des Kreises ist zukünftig ggf. nötig und sicher auch möglich.

Ziele:

Der Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit nimmt in den Jahresthemen Diskussionen und Herausforderungen des ländlichen Sozialraums aufmerksam in den Blick.

Die Kirchengemeinden pflegen die guten Kontakte zu den Vereinen, zur Feuerwehr und in die Politik durch Empfänge, gegenseitige Besuche und gemeinsame Aktionen (Weihnachtsmarkt, Gottesdienste mit und für Vereine, gemeinsames gesellschaftliches Engagement). Die Kirchengemeinden bleiben vor Ort präsent, wenn Geschäfte, Post, Bank oder Gaststätten längst aufgegeben sind.

Eine mögliche Zukunft der kirchlichen Arbeit auf dem Lande wird im Handlungsfeld X „Kirche auf dem Lande“ ausführlich entwickelt.

Die Kirchengemeinden behalten die Landwirte und den gewaltigen Strukturwandel in der Landwirtschaft im Blick, halten Kontakt zur kirchlichen Arbeitsstelle im HKD „Kirche auf dem Lande“ und nutzen deren Kompetenz.