Angedacht von Pastor Jens Mahlmann

Nachricht 26. März 2022

Mach ma‘ Trost!

Von Pastor Jens Mahlmann

Wüsste ich, wie man Trost macht, schliefe ich sicher vor manchen Beerdigungen besser. Aber Trost gehört zu jenen zwischenmenschlichen Geschehnissen, die sich zwar erfahren lassen, aber kaum erklären. Erlebt hat ihn jeder Mensch. Er wurde selbst getröstet. Oder es ist ihm gelungen, einen Mitmenschen zu trösten. Bäte ich dann aber: „Erklären Sie es mir mal: wie genau wurde Ihnen denn Trost geschaffen?“, oder: „Was haben Sie gezielt getan, gesagt, um Trost zu vermitteln? Verraten sie mir das Rezept!“, tja, dann fängt das Stochern an. Am einfachsten zu beschreiben ist es wohl noch, sobald Eltern ihre Kinder trösten. Auf den Schoß setzen, in den Arm nehmen und ankuscheln, und nach und nach rückt sich die Welt wieder zurecht. Wenn es so einen zärtlichen Arm gibt, der jederzeit bereit ist, mich zu bergen, dann kann die Welt einfach nicht so schrecklich und verstörend sein, wie sie mir gerade noch erschien. Über solche ungebrochene Vertrauensseligkeit verfügt ein Erwachsener kaum mehr. Das Bewusstsein erwachte irgendwann: der zärtlich bergende Arm stellt leider nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit dar, einen mitunter recht ohnmächtigen Auschnitt sogar.  Oder wie es in ‚Sterben für Anfänger‘ heißt: „Tee kann Vieles. Aber er kann keine Toten erwecken.“ Die Umarmungen, Gesten, (mühsam gesuchten) Worte, mit denen wir zu trösten hoffen, rücken die Wirklichkeit nicht wieder nach Wunsch zurecht. Sie schaffen Verluste und Schmerzen nicht aus der Welt. Immerhin aber gelingt es ihnen nicht selten, dennoch zu trösten. Offensichtlich dringt mit ihnen eine vertraute Botschaft durch: trotz der bleibend verstörenden Umstände besteht eben doch auch das Bergende noch. Ob und wie tief diese Botschaft jedoch durchdringt – das bleibt das Unverfügbare am Trost, das, was sich schwer erklären und mit keinem Rezept garantieren lässt. „Gelobt sei der Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.“ Die Voraussetzung des Tröstens scheint nicht zu sein, es erklären zu können, sondern es grundlegend erfahren zu haben und deswegen zu wagen.

Ihr

Jens Mahlmann, P.

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