Angedacht von Pastor Jan-Hendrik Eggers

Nachricht 26. Juli 2025

Barmherzigkeit

Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist nicht immer leicht barmherzig zu sein. Diese Erfahrung haben bestimmt schon viele von uns gemacht. Das trifft zu, wenn jemand meine Hilfe erbittet. Oder wenn es darum geht, jemanden zu verzeihen. Ganz besonders in der heutigen Gesellschaft geht es darum, wo andererseits Anonymität einen immer größeren Stellenwert gewinnt und man manchmal lieber einen ganz großen Bogen um Hilfesuchende macht, anstatt zu helfen. „Der soll mir bloß nicht zu nahe kommen!“, ist ein Gefühl, das sich leider manchmal nicht ganz unterdrücken lässt. Ganz besonders schwer ist es aber manchmal auch, barmherzig zu sein, wenn ich sauer auf jemanden bin, weil er etwas getan hat, was mir nicht gefällt oder sich mir gegenüber hat etwas zu schulden kommen lassen. Dann will ich, dass er seine Schulden begleicht oder mich – weil ich vielleicht auch noch etwas beleidigt oder sauer bin – erstmal ganz in Ruhe lässt. Auch diesen Personen zu verzeihen, ist nicht immer ganz leicht. Das hängt dann davon ab, was sie verschuldet haben.

Vielleicht fällt Ihnen ja auch ein Fall ein, wo Sie einmal nicht barmherzig sein konnten oder wollten. Vielleicht nach einem Streit, wo Worte gefallen sind, die Sie verletzt haben. Vielleicht, weil jemand an einer Stelle mein Vertrauen missbraucht hat. Dabei kann es für den Schuldigen beinahe befreiend wirken, wenn ich ihm verzeihe und ihm sein Fehlverhalten nachsehe. Endlich kann er seine Schuldgefühle ablegen, die ihn bis dahin so beschäftigt haben. Wir kennen es ja vielleicht auch von uns selbst, wie gut es tun kann, wenn jemand mir mein Fehlverhalten verzeiht. Das ist dann wie eine persönliche Befreiung. Vielleicht wenn ich jemanden beleidigt habe oder wenn ich jemanden weh getan und deswegen ein schlechtes Gewissen habe. Gerade dann tut es doch gut, wenn jemand sagt: „Ich verzeihe dir!“ Das sind Sätze, die mir Lasten vom Herzen nehmen können und mich befreit wieder aufleben lassen. Sätze, die im besten Fall für mich sogar einen wichtigen Stellenwert in meiner Biographie einnehmen können.

Für diese Fälle zeigt Jesus uns im Lukas den 6. Kapitel, an wem wir uns orientieren können: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ Gott hat uns unsere Laster und auch unsere schlechten Handlungen verziehen. In Jesus ist er auf die Welt gekommen und wendet sich nun den Armen, den Schwachen, den Unterdrückten, den Kranken, den Schuldigen sowie allen Menschen zu, ganz gleich, wer sie sind und was sie gerade umtreibt. Er heilt sie, zeigt ihnen Mittel und Wege auf, um ihr Leid zu lindern, gibt ihnen etwas zu essen und er verzeiht Ihnen, was sie sich haben zu Schulden kommen lassen, ohne dafür eine Gegenleistung zu verlangen. Jesus handelt dabei nicht aus eigensinnigen Motiven, sondern er ist am Wohl dieser Menschen interessiert und zeigt dadurch seine Liebe zu uns Menschen. Er nimmt das, was auf ihnen lastet, von ihnen und macht sie so frei. Und so zeigt er uns, was auch wir machen können, damit es unseren Mitmenschen besser geht und wie man verzeihen kann auch im Angesicht von Schuld. Jesus hat ja, wie wir wissen, schlimmstes erlebt wie Verrat, körperliche Gewalt, Verspottung, Beleidigung und Verachtung und konnte doch verzeihen. So hat er viele Menschen befreit und ihnen dadurch eine zweite Chance ermöglicht. Etwas, wozu auch wir in der Lage sind, wenn wir über unseren Schatten springen und mit einem gnädigen und helfenden Blick auf unsere Mitmenschen schauen. Denn auch das gehört zur tätigen Lieben an unseren Mitmenschen. Amen.

 

Ihr Pastor Jan-Hendrik Eggers

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